Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt

Einige erinnern sich noch an diesen Titelsong der WM 1974 in Deutschland.  Auch jetzt geht sie wieder rund, die Zeit ums Runde in das Eckige: Keine Werbefläche bleibt verschont, um schwarz-rot-goldene Bier- und Brutzelwerbung mit schwarz-weißen Sechsecken zu drapieren.

Klingt abschätzig? Nein, im Gegenteil. Ich liebe Fußball. Er ist zwar nicht das wahre Leben, aber er erzählt davon. Vor Jahren waren wir als Jugendliche in Rom. Wir sahen einigen Italienern beim Kicken auf der Wiese zu. Es dauerte keine 15 Minuten, und schon waren wir im Spiel, in gemischten Mannschaften mit wildfremden Menschen. Keine Sprache, keine Ideologie hätte das fertiggebracht. Und ähnlich ergeht es vielen Kindern in den Jugendmannschaften unserer Vereine. Dazu eine Anmerkung vom polnisch stämmigen Sportkommentator Marcel Reif:

M.R.: Der Sport war existenziell für mich. Ich konnte kein einziges Wort Deutsch sprechen. Zumindest nicht in der Form, als dass andere Kinder mit mir hätten spielen wollen oder spielen können. Meine Mutter war dann schlau genug, mich zum Fußballspielen zu schicken. Ich hatte ein ganz ordentliches Talent und habe durch den Sport Deutsch gelernt. Vor allem aber habe ich in der Anfangszeit gelernt, mich auch über die Sprache des Sports ausdrücken zu können. Auch das wird oft unterschätzt: Im Mannschaftssport wird eine besondere Sprache gesprochen, die viele Menschen verstehen – Zusammenhalt. Ich war Teil einer Mannschaft. Der Sport hat genau das gemacht, worüber wir eben gesprochen haben: er hat integriert. Ohne den Fußball hätte ich wahrscheinlich traumatische Erlebnisse gehabt.

Natürlich, es gibt auch die hässliche Seite im Fußball, die Fouls, den Kommerz, die Hooligens. Trotzdem sind die Menschen begeistert. Sie spüren, da ist mehr drin, als 22 Menschen um einen Ball. Man spürt, dass etwas in der Luft liegen kann, dass auch schwache Mannschaften die großen Träume wahr machen können, wenn sie über sich hinauswachsen, dass ein Schweinsteiger sich blutig spielt für seine Mannschaft und dass man am Ende dem Gegner Handshake und Respekt zollt.

Fußball ist nicht unser Leben, aber er erzählt davon. Er zeigt uns, dass mehr hinter den Dingen liegt, als nur das, was wir sehen. Er lehrt uns, dass man doch manchmal das Runde in das Eckige kriegen kann.

Danke, mein König auf Zeit.

pd

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